Die „Hertha“ soll verkauft werden

Zu wenig Fans an Bord am Untersee 

In der Berliner Fanszene soll bereits gejubelt werden. Die „Hertha“, das Schiff, auf dem 1892 Hertha BSC gegründet wurde, könnte bald wieder über Havel oder Spree schippern. Noch aber steht sie, wie seit 45 Jahren, im Bootsschuppen am Untersee in Wusterhausen.

Wusterhausen.  „Momentan ist sie noch da. Aber im Leben kann sich vieles verändern“, kommentiert Thomas Flemming die Gerüchte. Flemming ist Chef der Firma Prignitzer Leasing AG mit Sitz in Putlitz. Dieser gehört seit 2012 neben der „Hertha“ auch das Schiff „Neptun“. Auf dem Untersee sind beide unter der Flagge der Fahrgastschifffahrt Wusterhausen (FGS) unterwegs. Für diese verkündet Flemming die eigentliche Hiobsbotschaft: „Wir haben zwei Jahre lang ein Debakel erlebt. Sollte sich in der bevorstehenden Saison nichts bessern, war’s das.“

Auch für Steffen Hahlweg, der als Geschäftsführer mit Bootsmann Toralf Dröse und Schiffsführer Johannes Bär die FGS bildet, ist dieses Jahr entscheidend. „Wir schreiben rote Zahlen, und zwar nicht im nur zwei- oder dreistelligen Bereich, sondern viel höher.“ Dabei lief die Saison 2013 als zweite für die FGS laut Hahlweg schon besser als die erste. Statt an 60 seien die Schiffe an 100 Fahrtagen unterwegs gewesen – auch ohne Linienbetrieb. Einst verkehrten die Schiffe regelmäßig nach Fahrplan zwischen Wusterhausen, Kyritz und Stolpe. Doch bei zwei Drittel der Fahrten waren nur zwei Gäste oder weniger an Bord.

Nun ruht die Hoffnung auf dem Chartergeschäft, und zwar mit der kleineren „Neptun“. Für sie steht im März der Tüv-Termin an. „Dieses Jahr ist dann gesichert. Wir stellen uns der Saison“, sagt Bootsbesitzer Flemming.

Mehr Randalierer als Fans an Bord

„Die ,Hertha“ macht uns alles kaputt“, sagt FGS-Chef Hahlweg. Das Schiff rufe weniger Fans auf den Plan als randalierende Gegner, die Schaukästen zerstören und Infozettel abreißen würden. „Dabei gibt es 30 000 organisierte Hertha-Fans. In den zwei Jahren waren aber nur um die 100 hier.“

Dass die Schifffahrt kein leichtes Unterfangen wird, sei den Betreibern klar gewesen – nicht aber, dass sie mit ihren Ideen auf der Stelle treten würden. Man habe in den Verwaltungen vorgesprochen und maßgeblich in Kyritz mit einem Konzept, das die dortige Inselgaststätte berücksichtigt. „Irgendwann geht die Luft aus, dann liegt die Motivation am Boden“, sagt Flemming.

In Kyritz sind die Neuverpachtung dieses Kleinods und der Fährbetrieb dorthin derzeit wieder Thema unter den Stadtverordneten. Die Lösung steht noch aus.

Konzept zur Seenkette

Bürgermeisterin Nora Görke, Vorsitzende des Tourismusvereins Kyritz, Wusterhausen, Neustadt, findet die Schifffahrt als „Angebot rund um den See immens wichtig“. Der Tourismusverein könne nur versuchen, noch mehr Gruppen zu vermitteln. Das Thema Untersee sei ansonsten „eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagt Görke und verweist auf das Entwicklungskonzept zur gesamten Seenkette.

Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank setzt auf positive Effekte der Aktion „48-Stunden-Kleeblatt“ 2014 mit der Schifffahrt als „erneut festem Bestandteil“. Die klobige „Hertha“ betrachtet auch Blank als ungeeignet für das Gewässer. Wenigstens ein Dampfer aber gehöre zum Potenzial des Untersees, mit dem sich für die gesamte Region werben lässt.

Von Matthias Anke

Quelle: Märkische Allgemeine

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