Hertha auf letzter Fahrt in Brandenburg

Im nächsten Jahr soll das 130 Jahre alte Ausflugsschiff „Hertha“ zurück zu seinen Fans nach Berlin. Davor dreht die alte Dame aber noch eine letzte Runde über einen Brandenburger See. Den Besitzer packt vor dem Abschied die Wehmut.

Von Jörn Pissowotzki

Radiomitschnitt

Thomas Flemming hat angesichts der letzten Fahrt der „Hertha“ gemischte Gefühle: „Ich habe sie immer als Schätzchen bezeichnet“, sagt er. 2012 hatte seine Prignitzer Leasing AG das Schiff übernommen. Hertha konnte für Touren gechartert werden, kostete aber über die Jahre auch viel Geld. Interessenten habe es immer wieder gegeben, erzählt Thomas Flemming. Von einigen wusste man aber, dass die „alte Dame“ den erneuten Besitzerwechsel nicht überlebt hätte.

Nun hat Hertha BSC selbst das Schiff gekauft, um das sich ein Gründungsmythos des Vereins rankt. Am Sonntag wird die Hertha letztmalig auf dem Klempowsee bei Kyritz unterwegs sein.

Die 1886 in Stettin als Dampfschiff vom Stapel gelaufene Hertha hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Sie befuhr zunächst Spree und Havel, wurde zu DDR-Zeiten zum Motorboot umgebaut und hieß zwischendurch „Seid bereit“ sowie „Seebär“. Seit 2002 ist sie wieder unter ihrem ursprünglichen Namen auf der Kyritzer Seenkette im Einsatz, sie liegt in Wusterhausen/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) vor Anker.

„Hertha“ soll nach Meinung des Noch-Besitzers Flemming auch in Zukunft auf dem Wasser bleiben, am liebsten unter der Flagge des Vereins, dem sie den Namen gab. „Wichtig ist, dass das Schiff als Symbol wieder sehr dicht am Fanlager ist.“

Kontakte zu Hertha hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. In diesem Jahr hat Thomas Flemming nun dem Verkauf an zwei Hertha-Präsidiumsmitglieder zugestimmt. Für einen Betrag, den er nicht nennen möchte. Es wird gemunkelt, dass dieser sechsstellig gewesen sei. Die Berliner wollen den Schiffskauf über eine Aktie finanzieren, Hertha-Anhänger können Anteile erwerben. „Ein wahrer Fan kauft natürlich die Schiffsaktie“, wirbt Thomas Flemming. Auch wenn der Gründungsmythos, Hertha sei auf diesem Schiff gegründet worden, nicht ganz stimmt.

Keine Gründung auf dem Wasser

Vielmehr wurde der Verein am 25. Juli 1892 „irgendwo in den Bezirken Wedding oder Prenzlauer Berg“ aus der Taufe gehoben, so steht es zumindest in den Hertha-Annalen.Gründungsmitglieder waren zwei 16 bis 17 Jahre alte Brüderpaare, Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz.

Laut den Annalen soll das Schiff aber dennoch eine wichtige Rolle bei der Vereinsgründung gespielt haben. Fritz Lindner soll nämlich kurz zuvor mit seinem Vater eine Dampferfahrt auf der Hertha unternommen haben – die wiederum nach der Tochter des Reeders benannt war. Lindner beschloss, den Namen für den Verein zu übernehmen – und das Blau des Schornsteins als Vereinsfarbe gleich mit.

Noch unklar, ob „Hertha“ renoviert werden kann

Nun kehrt die Hertha bald wieder zurück zur Hertha. Im späten Frühjahr soll sie nach Berlin kommen, auf dem Wasser und teils auf einem Tieflader auf der Straße. Was aus ihr wird, dazu gibt es aber noch Fragezeichen. Klar ist, dass es teuer wird, weil sie renoviert werden muss. Es müsse geprüft werden, so Flemming, ob es finanziell machbar sei, dass Schiff in einen Zustand zu versetzten, in dem es auch auf Bundeswasserstraßen fahren darf.

Denkbar ist also auch, dass die Hertha am Sonntag letztmalig befahren werden kann – und künftig dann als Museumsschiff einen anfassbaren Rückblick in die Gründungstage der alten Dame Hertha gibt.

Kommentar verfassen