Rückholaktion Aktie für Hertha-Schiff geht in den Verkauf

 

von Michael Jahn 

Die Tage des Ausflugsschiffes namens „Hertha“, das vor fast 125 Jahren dem Fußball-Bundesligisten seinen einprägsamen Namen gab, im Bootsschuppen in Wusterhausen/Dosse sind endgültig gezählt. Ab sofort kann jeder Hertha-Anhänger oder Schiffs-Nostalgiker etwas für die lange überfällige Rückholaktion nach Berlin tun.

Die Aktie, die das aufwendige Prozedere und den notwendigen Umbau des Schiffes maßgeblich finanzieren soll, geht in den Verkauf. 1892 Aktien, in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins, sollen verkauft werden. Eine Aktie wird 399 Euro kosten. Die eigens gegründete „1892ste Schiffsbetriebs GmbH & Co. KGaA“ mit den Hertha-Präsidiumsmitgliedern Ingmar Pering (Rechtsanwalt) und Christian Wolter (Kfz-Meister und Prüfingenieur) an der Spitze ist dafür zuständig.  Rund 1500 Interessenten sind bislang bekannt oder haben sich vormerken lassen.

Im April soll die „Hertha“, 23,5 Meter lang, 4,80 Meter breit und mit einer Kapazität für rund 130 Leute, aus dem idyllischen Klempowsee gehoben und fit für den Transport gemacht werden. Knapp 100 Kilometer sind zu überwinden. 45 Jahre diente das Schiff als beliebtes Ziel für Touristen und Fußballfans. Schon lange gibt es den Traum vieler Hertha-Anhänger, dieses Schiff, dessen robuster Rumpf noch vom Original aus dem Baujahr 1886 stammt, zurück nach Berlin zu holen. Es ist schließlich ein Alleinstellungsmerkmal. Welcher  Klub ist schon nach einem Schiff benannt, das zudem noch  fahrtüchtig  ist?

Seid bereit

Viele Jahre wurde nicht mit diesem Pfund gewuchert. 1969 hievte es der pfiffige Unternehmer Peter Dentler nach Wusterhausen/Dosse, damals war die „Hertha“, die in der DDR „Seid bereit“ hieß,  schrottreif. Dentler machte sie wieder fit und nach dem Fall der Mauer entdeckten auch die Hertha-Fans dieses historische Stück. Die  Vereinsführungen mussten sich aber viele Jahre lang mit anderen, zugegeben wichtigeren Problemen beschäftigen.

Zuletzt war es Aufsichtsratschef Bernd Schiphorst, der zähe Kaufverhandlungen mit dem  Besitzer führte, aber zu keinem Abschluss kam. Lange war Hertha  nicht bereit, eine relativ niedrige sechsstellige Summe zu investieren – auch, weil nicht jeder in der Vereinsführung von diesem Projekt  überzeugt war. Erst das  Duo Pering/Wolter erwarb 2016 die Hertha. Jetzt unterstützt die gesamte Vereinsführung das Unternehmen.

Der Klub übt derzeit sowieso den schwierigen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Seit Saisonbeginn positioniert sich Hertha  als „ältestes Start-up Berlins seit 1892“, will aber  jung, frisch und mutig daherkommen.  Man kann es auch so interpretieren: Schon die jungen Vereinsgründer waren vor 125 Jahren äußerst kreativ und innovativ, als sie angetan vom schmucken Ausflugsschiff den Namen „Hertha“ wählten. Das Alte kann nun sogar Basis für das Neue sein.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25648148 ©2017

 

 

 

 

 

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