Statement zur Fahrgastschifffahrt in Wusterhausen

Mit dem Verkauf der Hertha“ (Gründungsschiff des Fussballligisten Hertha BSC) bleiben für viele Sympathisanten des „Alten Dampfer`s“ nur die Erinnerungen vergangener Tage. Nun steht seit einigen Wochen die Frage im Raum, „wie geht es weiter mit der Fahrgastschifffahrt? Gibt es noch die Hoffnung wenigstens auf die „kleinere Schwester“ „Neptun“ ? Um der Neugierde auch gerecht zu werden, möchte ich aus unserer, meiner Sicht die Dinge erklären. Es wird bekanntlich oft sehr viel spekuliert und diskutiert und die Fakten werden von Emotionen überladen.

 

An Ideen mangelte es nie. Hier ein sogenanntes Rendering von Herrn C. Fulland www.zenvision.de                               Herzlichen Dank!

Kleiner Rückblick

Alles begann 2012 zunächst mit dem Erwerb der Fahrgastschiffe von der Firma Dentler in Wusterhausen. In der Funktion einer regionalen Leasinggesellschaft mit Sitz in Putlitz wurden die Schiffe gekauft, refinanziert und über ein Leasing / Mietmodell an den neuen Betreiber der Schifffahrt,  der FGS Fahrgastschifffahrt Wusterhausen GmbH übergeben. Zunächst stand lediglich der Erwerb der Neptun im Raum aber aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus, regte ich an, die Hertha mit zu erwerben. Es machte keinen Sinn, vielleicht später einen Mitstreiter der selben Sache, am Standort Wusterhausen/D. dulden zu müssen. Es war jedoch klar, dass das angestrebte Vorhaben des neuen Betreiber`s finanziell beide Schiffe hätten nie tragen können. Dafür waren dann in der Tat die Kaufpreise und alle weiteren finanziellen Aufwendungen zu hoch. Aus diesem Grund gab es bereits 2012 die ersten Gespräche mit Verantwortlichen des Fussballverein`s in Berlin. In den folgenden Jahren wurden weitere Gespräche mit Interessenten für die Hertha und Kaufwilligen geführt. Bereits 2012 hatte ich die Refinanzierung der „Alten Dame“ über eine Beteiligungsaktie angeregt. Ein Ergebnis blieb leider aus und darüber hinaus entwickelte sich die Fahrgastschifffahrt nicht zufriedenstellend. Es sind nun einmal sehr sehr alte Schiffe und diese verlangen nach einer besonderen Aufmerksamkeit und diese spiegelte sich in der Kasse wider.

Es kam wie es kommen musste.

Die FGS GmbH musste 2014 aufhören und wurde in 2016 liquidiert. Fortan versuchte ich mit der Gründung der Reederei 5Seen (Gewerbetrieb) wenigstens über eine Saison zu kommen und nach Möglichkeit eine Lösung für die Zukunft zu finden. Gegenüber meiner eigentlichen Tätigkeit als Vorstand der Prignitzer Leasing AG habe ich genug Verantwortung zu tragen und zuwenig Zeit für die Entwicklung einer Schifffahrtsgesellschaft. Mit der einst zur Verfügung gestellten Finanzierungsgrundlage war es leider nun nicht mehr allein getan. Auch in 2015 mit der Betreuung der Fahrgastschifffahrt über die Regio Infra GmbH & Co. KG mussten wir feststellen, dass es besser wäre, man lässt alles in der „alten Halle“  und spart am Ende richtig Geld. Früher war alles anders! Genau, neue Vorschriften und Richtlinien prasselten auf uns 2015 ein und erschwerten zusätzlich einen ordnungsgemäßen und vielleicht auch erträumten ruhigen Geschäftsverlauf. 2016 wollte ich es allerdings persönlich dann doch wissen. Funktioniert es oder bleibt es dann doch nur ein Wunsch, eine Saison mit einem ausgeglichenen Ergebnis zu erwirtschaften. Ja es ist möglich aber nur, wenn man eine Top Mannschaft hat. Und diese habe ich vorgefunden. Mit meinem Kapitän Johannes und seinem Matrosenanwärter Jens konnten wir nicht nur die Gäste mit der „Alten Dame“ in Sachen Technik überzeugen, nein wir hatten auch jede Menge Spass zusammen. Beflügelt, endlich eine perfekte Lösung für die „Hertha“ zu haben, konnten wir uns somit auch auf eine „Abschiedssaison“ vorbereiten. Leider ist jedoch der große Ansturm der Fan`s aus Berlin (Hertha BSC) ausgeblieben. Es waren in der Regel „Wiederholungstäter“, welche uns die Ehre gaben. Am Ende waren wir dann aber doch alle zufrieden und genossen unsere Abschiedsfahrt im Dezember 2016. Die „Hertha“ hatte uns nie in der laufenden Saison im Stich gelassen.

Dass die Enttäuschung beim Vorbesitzer, Herrn P. Dentler über den Verkauf der „Hertha“ anzumerken war, ging auch an meiner Person nicht unbemerkt vorüber. Die Erinnerungen an vergangene Zeiten lassen mitunter die Emotionen „hochkochen“. Und doch muss man die Situation nüchtern und realistisch analysieren. So wie es andere Betriebe in der Umgebung von Kyritz und Wusterhausen einst gab, sind doch auch hier die Türen geschlossen worden. Wenn am Ende die Rechnung nicht aufgeht, muss man handeln. Genau dieser Augenblick ist immer schwer für denjenigen, welcher sich vor den Karren spannen muss und Entscheidungen treffen soll.

Meine Entscheidung habe ich nun getroffen. Den Schiffsbetrieb mit der „Neptun“ werde ich einer neuen Mannschaft zur Verfügung stellen. Mein langjähriger Kapitän und Freund Johannes wird dabei eine führende Rolle übernehmen und sich weiter um die Geschicke und Entwicklungen am Standort Wusterhausen kümmern. Ich werde die „Neptun“ sehr gern zur Verfügung stellen und hoffen, dass die neue Mannschaft um unseren erfahrenen Kapitän es schafft, die Fahrtüchtigkeit rechtzeitig herzustellen. Nach einem zunächst beabsichtigten Rückkauf des Schiffes durch Herrn P. Dentler und seinem späteren „Zurückrudern“ wurde mir vielmehr und damit übertragbar, jegliche weitere Unterstützung für das Aufrechterhalten der Fahrgastschifffahrt zugesagt.

 

letzte Landrevision der Neptun 

Nun bleibt bei mir nur der sehnlichste Wunsch, dass uns Neptun wohl gesonnen ist, das Wetter dazu beiträgt, dass sich viele Gäste auf eine schöne Rundfahrt auf der Kyritzer Seenkette erfreuen werden, dass ein „Miteinander“ vor jeder „Fehde“ steht.

tf.

Schon 600 Aktien für Herthas Gründungsschiff verkauft

 

 

 

Nach dem Kauf des Dampfers, dem Hertha BSC seinen Namen verdankt, können Fans nun Aktien kaufen. Damit sollen die Kosten für Erwerb und Restauration gedeckt werden.

VON 
Foto: DPA
Ab sofort können Aktien für Herthas Gründungsschiff erworben werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilte der „1892 Schifffahrtsbetriebsgesellschaft auf Aktien“ die erforderliche Genehmigung. „Wir sind froh, dass wir jetzt mit dem Vertrieb der Aktien starten können“, sagte Christian Wolter. Wolter ist zusammen mit Ingmar Pering neuer Eigentümer des 130 Jahre alten Dampfers. Die beiden Präsidiumsmitglieder von Hertha BSC haben im vergangenen Jahr den Wunsch vieler Vereinsmitglieder aufgegriffen und erste Verhandlungen mit dem Alteigentümer geführt. Nach dem Erwerb haben sie das Schiff in eine Gesellschaft eingebracht, die „1892 Schifffahrtsbetriebsgesellschaft auf Aktien“.Grundsätzlich darf jeder Interessent eine Aktie kaufen. Der Erwerb setzt keine Hertha-Mitgliedschaft voraus. Eine Aktie kostet 399 Euro, sie werden in zwei Tranchen zu je 1892 Stück ausgegeben, eine blaue Serie und eine weiße Serie. Dabei handelt es sich um vinkulierte Namensaktien. Es wird also nur eine Aktie pro Person ausgegeben.

Auf der Mitgliederversammlung im vorigen November wurde das Projekt vorgestellt, rund 1500 Personen ließen sich als Kaufinteressenten listen. Bisher sind etwa 600 Aktien verkauft. Geplant ist ferner, die Namen der ersten 1892 Aktienkäufer auf dem Schiffsrumpf zu verewigen.

Nach dem Vereinsjubiläum folgt die Restaurierung

Über diesen Weg hoffen die Eigentümer Wolter und Pering, für die Schiffsgesellschaft 1,5 Millionen Euro einzunehmen. Das Geld wird auch benötigt. So sollen die Kosten für den Schiffskauf, den Transport und eine umfangreiche Restauration eingenommen werden.

Ende März oder Anfang April soll das 100 Tonnen schwere Schiff, das zuletzt auf der Kyritzer Seenkette unterwegs war, in fließendes Gewässer umgehoben werden und anschließend in mehreren Etappen auf dem Wasserweg nach Berlin überführt werden. Dabei soll Hertha-Mitgliedern die Möglichkeit eingeräumt werden, die eine oder andere Etappe auf dem Schiff mitzuerleben.

Nach den Vorstellungen der Eigentümer und des Vereins soll das Schiff dann in der Jubiläumswoche im Juli im Museumshafen vor Anker gehen. Nach den Feierlichkeiten zu Herthas 125. Geburtstag soll das Schiff in einer brandenburgischen Werft restauriert werden. Die Hertha soll dann eine Optik erhalten, wie sie sie zwischen 1926 und 1929 hatte. Die Kosten hierfür sind mit 500.000 Euro kalkuliert worden. Es könnte aber auch teurer werden, „weil es keinerlei Konstruktionspläne mehr gibt“, wie Christian Wolter sagte. Ziel sei es, die MS Hertha nicht an Land auszustellen, sondern sie als Charterschiff auf Berliner Gewässern betreiben zu können.

Quelle: Tagesspiegel vom 30.01.2017

 

Restauration des Hertha-Schiffes

 

 

30.01.2017   Ab sofort können die Gründungsdampfer-Aktien gekauft werden

von Roberto Lamprecht  

Vor zwei Monaten berichtete B.Z. erstmals über die geplante Schiffsaktien. Jetzt werden die Pläne konkret. Die Zeichnungsfrist läuft bereits seit dem 11. Januar 2017.

Am Montag sprach Christian Wolter, Mitbesitzer des Hertha-Gründungsdampfers, über die Hertha-Aktie. „Wir haben jetzt die Genehmigung der Wertpapier-Aufsicht BaFin“, freute sich Wolter. Geplant ist, zwei Serien á 1892 Aktien (Stückpreis 399 Euro) herauszubringen. Dabei handelt es sich um vinkulierte Namensaktien. Das bedeutet, dass nur eine Aktie pro Person ausgegeben wird.

Christian Wolter (l.) und Ingmar Pering haben den Dampfer erstanden und die Rückholaktion gestartet. Jetzt kommt die Aktie, um die Restauration zu finanzieren (Foto: Ottmar Winter)

Das Schiff soll jetzt im März/ April 2017 nach Berlin überführt werden, ausschließlich auf dem Schiffsweg, wie Wolter erklärte. „Alles andere wäre zu kompliziert und zu teuer.“ Immerhin wiegt das Schiff rund 100 Tonnen. Auf der Heimfahrt nach Berlin sollen Fans auch streckenweise mitfahren können.

Von den rund 1,5 Millionen Euro, die durch die Ausgabe der Aktien erzielt werden sollen, sind ca. 500.000 Euro für die Restauration vorgesehen. Bisher sind rund 600 Aktien verlauft. Wer noch ein Wertpapier erwerben möchte, kann sich auf dieser Seite informieren. Geplant ist auch, die Namen der ersten 1982 Aktienkäufer auf dem Schiffsrumpf zu verewigen.

Quelle: Berliner Zeitung 

 

Rückholaktion Aktie für Hertha-Schiff geht in den Verkauf

 

von Michael Jahn 

Die Tage des Ausflugsschiffes namens „Hertha“, das vor fast 125 Jahren dem Fußball-Bundesligisten seinen einprägsamen Namen gab, im Bootsschuppen in Wusterhausen/Dosse sind endgültig gezählt. Ab sofort kann jeder Hertha-Anhänger oder Schiffs-Nostalgiker etwas für die lange überfällige Rückholaktion nach Berlin tun.

Die Aktie, die das aufwendige Prozedere und den notwendigen Umbau des Schiffes maßgeblich finanzieren soll, geht in den Verkauf. 1892 Aktien, in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins, sollen verkauft werden. Eine Aktie wird 399 Euro kosten. Die eigens gegründete „1892ste Schiffsbetriebs GmbH & Co. KGaA“ mit den Hertha-Präsidiumsmitgliedern Ingmar Pering (Rechtsanwalt) und Christian Wolter (Kfz-Meister und Prüfingenieur) an der Spitze ist dafür zuständig.  Rund 1500 Interessenten sind bislang bekannt oder haben sich vormerken lassen.

Im April soll die „Hertha“, 23,5 Meter lang, 4,80 Meter breit und mit einer Kapazität für rund 130 Leute, aus dem idyllischen Klempowsee gehoben und fit für den Transport gemacht werden. Knapp 100 Kilometer sind zu überwinden. 45 Jahre diente das Schiff als beliebtes Ziel für Touristen und Fußballfans. Schon lange gibt es den Traum vieler Hertha-Anhänger, dieses Schiff, dessen robuster Rumpf noch vom Original aus dem Baujahr 1886 stammt, zurück nach Berlin zu holen. Es ist schließlich ein Alleinstellungsmerkmal. Welcher  Klub ist schon nach einem Schiff benannt, das zudem noch  fahrtüchtig  ist?

Seid bereit

Viele Jahre wurde nicht mit diesem Pfund gewuchert. 1969 hievte es der pfiffige Unternehmer Peter Dentler nach Wusterhausen/Dosse, damals war die „Hertha“, die in der DDR „Seid bereit“ hieß,  schrottreif. Dentler machte sie wieder fit und nach dem Fall der Mauer entdeckten auch die Hertha-Fans dieses historische Stück. Die  Vereinsführungen mussten sich aber viele Jahre lang mit anderen, zugegeben wichtigeren Problemen beschäftigen.

Zuletzt war es Aufsichtsratschef Bernd Schiphorst, der zähe Kaufverhandlungen mit dem  Besitzer führte, aber zu keinem Abschluss kam. Lange war Hertha  nicht bereit, eine relativ niedrige sechsstellige Summe zu investieren – auch, weil nicht jeder in der Vereinsführung von diesem Projekt  überzeugt war. Erst das  Duo Pering/Wolter erwarb 2016 die Hertha. Jetzt unterstützt die gesamte Vereinsführung das Unternehmen.

Der Klub übt derzeit sowieso den schwierigen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Seit Saisonbeginn positioniert sich Hertha  als „ältestes Start-up Berlins seit 1892“, will aber  jung, frisch und mutig daherkommen.  Man kann es auch so interpretieren: Schon die jungen Vereinsgründer waren vor 125 Jahren äußerst kreativ und innovativ, als sie angetan vom schmucken Ausflugsschiff den Namen „Hertha“ wählten. Das Alte kann nun sogar Basis für das Neue sein.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25648148 ©2017

 

 

 

 

 

TRADITIONSPFLEGE Bei Hertha kann man Tradition für Geld kaufen

Um das Schiff „Hertha“ nach Berlin zu holen, werden 3659 Gönner gesucht, die bereit sind jeweils eine AKtie für 399 Euro zu erwerben

Von Uwe Bremer   

Die „Hertha“ wurde 1886 gebaut, ist 22,82 m lang und 4,80 m breit. Der Motor leistet 2 x 50 PS                                                                                                   Foto: Reto Klar

Berlin.  Ob es um das Trikot geht, um das Logo oder die Vereinshymne – wer sich auf die Tradition beruft, dem ist der Beifall sicher. So funktioniert es seit Jahren auf den Mitgliederversammlungen von Hertha BSC. Die Versuche der Klubverantwortlichen, den Verein zu modernisieren – Stichwort Digitalisierung, neue Haltung, neue Spielstätte – werden von einigen Fans und Mitgliedern kritisch gesehen. Das Standard­argument dagegen lautet, dass die Veränderungen im Kontrast zur Tradition stünden. Jetzt steht der Härtetest für die Liebhaber der Tradition an.

1,46 Millionen Euro werden benötigt. Die sollen Fans, Mitglieder und Hertha-Liebhaber aufbringen. Die Zeit läuft: Bis zum 31. März soll das Geld beisammen sein, um den Namensgeber des Vereins, das Binnenmotorschiff „Hertha“ zu erwerben, von Brandenburg nach Berlin zu überführen und für den Einsatz als Traditionsschiff umzubauen.

1,46 Millionen Euro werden benötigt

Zu diesem Zweck haben Christian Wolter und Ingmar Pering, Präsidiumsmitglieder von Hertha BSC, die „1892ste Schiffsbetriebs GmbH & Co KGaA“ gegründet. Die gibt 3659 vinkulierte Stammaktien (nicht an der Börse gehandelt) aus, die für 399 Euro verkauft werden. Pro Interessent gibt es nur eine Aktie. „Damit wollen wir die größtmögliche Zahl an Interessenten erreichen“, sagt Wolter. „Wir wollen den Hertha-Fans nicht nur das Schiff zurückholen, sondern ihnen auch ermöglichen, Teil von dem Schiff zu werden.“

Das soll dadurch erreicht werden, dass der Name der 1892 Erstzeichner der Aktie auf dem Rumpf verewigt wird. Hertha wurde bekanntlich 1892 gegründet und bereitet sich auf das 125. Jubiläum vor, das am 25. Juli stattfinden wird. Der Legende nach hat Fritz Lindner, einer der Klub-Gründer bei der Suche nach einem Namen, ­“Hertha“ genannt – weil er kurz zuvor auf diesem Dampfschiff auf der Havel gefahren war.

Das Schiff soll im Juli in Berlin sein

Das Vorhaben ist anspruchsvoll. Aktuell liegt die „Hertha“ in Brandenburg auf der Kyritzer Seenkette. Das ist ein stehendes Binnengewässer, auf dem das Schiff, Baujahr 1886 (!), zuletzt mit einer Ausnahmegenehmigung gefahren ist. Der Dampfer, rund 100 Tonnen schwer, soll auf dem Wasserweg in Etappen von Ende März an nach Berlin gefahren werden und zum 125-jährigen Jubiläum im Museumshafen zu sehen sein. Die entscheidende Frage – wie sieht die Zukunft der „Hertha“ aus – hängt davon ab, wieviel der 399-Euro-Aktien verkauft werden. Gelingt es, die gesamte Tranche im Wert von 1,46 Millionen zu platzieren?

Die Rechnung sieht so aus: Der Kaufpreis beträgt 200.000 Euro. Für die Überführung nach Berlin sind 100.000 Euro veranschlagt. Die günstigste Nutzung in Berlin – von den Fans allerdings am wenigsten gewünscht – wäre die Aufstellung des Schiffs an Land: 25.000 Euro. Bleibt das Schiff stationär im Wasser an einem festen Liegeplatz, werden 150.000 bis 200.000 Euro fällig. Soll das Schiff umgerüstet werden für einen Charterverkehr: 500.000 Euro. Außerdem steht der Rückbau des mehrfach umgebauten Dampfers in den Zustand von 1926 auf dem Wunsch­zettel. Das kostet 400.000 Euro (bei stationärer Nutzung) und 700.000 Euro im Fahrbetrieb.

Präsident Gegenbauer unterstützt das Projekt

Hertha BSC hat, juristisch betrachtet, keine Verbindung zur „1892ste Schiffsbetrieb GmbH“, begleitet das Vorhaben aber wohlwollend. Präsident Werner Gegenbauer sagte: „Die Fans haben ihr Interesse am Schiff formuliert. Jetzt hängt es ­davon ab, ob sich das Interesse auch in Handlungen ausdrückt – wie viel ­Enthusiasmus ist bei den Fans da.“

Quelle: Berliner Morgenpost 

Hertha BSC Hertha-Gründungsschiff kommt zurück nach Berlin

Demnächst an Land unterwegs: der 130 Jahre alte Doppelschraubendampfer, der Hertha BSC einst den Namen gab.   Foto: Juergen Engler
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von Michael Jahn  Hertha BSC Experte

Exakt um 15.40 Uhr betätigt Johannes Bär zum letzten Mal das Schiffshorn. Mehrere lang gezogene Töne schallen über den idyllischen Klempowsee auf der Kyritzer Seenplatte. Es ist ein regnerischer Tag mit heftigen Windböen. Dann manövriert der Kapitän    das bekannte Ausflugsschiff geschickt in den alten Bootsschuppen am Ufer. Die „Hertha“ – 23,5 Meter lang, 4,80 Meter breit, angetrieben von zwei Maschinen mit je 90 PS – verschwindet für immer vom See am Örtchen Wusterhausen/Dosse. Etwa 6000 Menschen leben hier, knapp 100 Kilometer nordwestlich von Berlin, eine gute Autostunde entfernt.

Als das Schiffshorn ertönt, macht sich Melancholie breit bei einem Teil der Passagiere, die an der Schiffsanlegestelle zurückgeblieben sind und winken. 130 Leute, darunter knapp 30 Hertha-Fans aus Berlin, waren an diesem Sonntag, den dritten Advent, zuvor zweieinhalb Stunden an Bord. Man hätte bei dieser letzten Tour nach 45 Jahren Seenrundfahrten in Wusterhausen/Dosse viermal so viele Tickets verkaufen können, sagt Kapitän Bär. Traurig sind vor allem die Einheimischen, weil die Fahrten auf ihrem Revier nun in-frage gestellt sind. Sie verlieren eine Touristenattraktion.

Charme plus Abenteuer

Voller Hoffnung haben dagegen die Anhänger von Hertha BSC die Tour bei Bier, Glühwein und Piccolo-Sekt genossen, weil das Schiff, das ihrem Verein den Namen gab, im kommenden Jahr nach Berlin gebracht werden soll. Ingmar Pering, 51, Rechtsanwalt, und Christian Wolter, 55, Prüfingenieur und Kfz-Meister, beides langjährige Mitglieder des Präsidiums beim Bundesligisten, haben das Schiff erworben. Beseelt von dem Traum, es wieder auf der Spree fahren zu lassen. Da, wo es ihrer Meinung nach hingehört.

Als die „Hertha“ am Sonntagmittag zum letzten Mal ablegt, ist die Symbolik greifbar. Die Fans fotografierten emsig: Sie sind mächtig stolz auf das Schiff, das keinerlei Luxus bietet, aber rustikale Gemütlichkeit, den Charme der Siebzigerjahre und ein wenig Abenteuer. Welcher Fußballklub ist schon nach einem uralten Schiff benannt, dass auch noch nach 130 Jahren fahrtüchtig ist? Nur Hertha BSC.

Um die Begeisterung und auch den Wirbel um die „Hertha“ zu verstehen, die so häufig den Besitzer wechselte, muss man die Zeit zurückdrehen. Am 25. Juli 1892 gründeten vier junge Burschen, die Brüderpaare Lindner und Lorenz, auf dem Berliner Arkonaplatz einen Fußballverein. Fritz Lindner war zuvor mit seinem Vater auf einem Dampfer auf der Havel gefahren, der den Namen „Hertha“ trug. Der Ausflug hatte den Jungen schwer beeindruckt und fortan nannte das fußballbegeisterte Quartett ihren neuen Verein „Hertha“.

Im Nachhinein war es Glück, dass Lindner nicht auf einem der beiden Schwesternschiffe der „Hertha“ gelandet war. Die hießen „Concordia“ und „Dorothea“. Vielleicht würde dann jetzt ein Verein namens „Dorothea BSC“ Platz drei der Bundesliga zieren.

Spät entdeckte Tradition

Einer, der mit den Ton angibt an diesem Tag auf See, ist Thomas Flemming. Der erfinderische Unternehmer ist der Chef der Prignitzer Leasing-Gesellschaft aus Putlitz. 2012 erwarb er das Schiff von Peter Dentler, dem Mann, der die „Hertha“ einst vor der Verschrottung bewahrt hat. Der das Schiff hegte und pflegte und viele Jahre auch als launiger Kapitän über den See, an dem sein Grundstück liegt, schipperte.

Flemmings Firma verleiht beinahe alles – etwa Eisenbahnen, Kleinflugzeuge, Tiere und Maschinen. „Die Seerundfahrten waren nicht unser Kerngeschäft“, sagt Flemming, der einen Hertha-Sticker am Anorak trägt. Trotz rund 5 000 Passagieren im Jahr 2016 schaffte er keine Kostendeckung. Als er die „Hertha“ übernahm, habe er „gewaltig investiert.“ „Das Schiff hat viel Flair“, sagt er, „immerhin ist der robuste Rumpf noch vom Original von 1886.“ Flemming beklagt aber, dass in den zurückliegenden Jahren insgesamt zu wenige Fans nach Wusterhausen/Dosse gekommen sind. Manfred Sangel, Chef des Fanradios „Hertha-Echo“, entgegnet: „Das war eher Bequemlichkeit. Wer ein oder zwei Mal mitgefahren ist, hat ja nichts Neues mehr erlebt.“ Dennoch gibt es viele Anekdoten, die nun noch mal erzählt werden.

Lange wussten die Anhänger von Hertha BSC nichts von dem Schiff. Erst nach dem Mauerfall wurden Existenz und Standort publik. Sangel war dabei, als 1992 zum 100. Geburtstag des Vereins Anhänger das Schiff ehrfürchtig betraten. Oberfan „Pepe“ Mager, einst stadtbekannter Fanartikelhändler, sah die „Hertha“,  kniete vor ihr nieder und küsste den Rumpf. Kurioses passierte im September 2013: 118 Fans vom Rivalen 1. FC Union hatten das Schiff in Zivil betreten, warfen sich erst auf See in ihre rot-weiße Montur und beflaggten die „Hertha“ in den Vereinsfarben der Köpenicker. Es war eine friedliche Enterung.

Fast immer oben auf Deck genießt Roman Blank trotz Wind und Regenschauern die letzte Tour. Er ist der Bürgermeister von Wusterhausen/Dosse. Blank gönne den Hertha-Fans und dem Klub die Rückkehr ihres Schiffes. „Aber für uns ist es ein Verlust“, sagt er. Die „Hertha“ habe  das mühsam laufende Tourismusgeschäft angekurbelt. „Wir brauchen noch mehr Besucher in unserem Ort mit der wunderschönen Umgebung.“

Auch die beiden Hertha-Präsiden und neuen Bootseigentümer Ingmar Pering und Christian Wolter halten sich oben an Deck auf, in dicken Anoraks und symbolisch für die Fotografen am Steuer.  Pering genießt das „Kapitänsgefühl“ mit einer dicken Zigarre, Wolter erklärt das Vorhaben: „Im Frühjahr 2017 wird das Schiff, das rund 100 Tonnen wiegt, mit einem Kran an Land gehievt und danach in mehreren Etappen nach Berlin gefahren. Zum 125. Geburtstag des Vereins im Juli soll es möglichst auf der Spree ankern, vielleicht im Hafen an der Mühlendammschleuse.“

Schiffsaktien für Fans

Später kommt die „Hertha“ in eine Werft, wird renoviert und aufwendig fitgemacht für Fahrten auf fließenden Gewässern. Die Spree ist eben eine andere Herausforderung als die Kyritzer Seenplatte. Der Plan: Als Traditionsschiff soll es wieder fahren, als Charter- und nicht als Linienschiff. Finanziert wird vieles über Aktien der im Juni gegründeten „1892 Schiffsbetriebsgesellschaft GmbH & Co. KGaA“.  Die 1 892 Aktien gehen in den Verkauf, sobald die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Genehmigung erteilt. „Das Interesse bei Fans, Freunden und Vereinsmitgliedern ist groß“, sagt Wolter. Dann steht auch er am Ufer  und schaut der „Hertha“ hinterher, wie sie im Bootsschuppen verschwindet.

Eine Geschichte

1886: Der Doppelschraubendampfer wird in der Stettiner Werft Aron & Gollnow gebaut. Am 17. April 1886 erfolgt die Probefahrt. Der Dampfer wird auf den Namen „Hertha“ getauft. So heißt die zwölfjährige Tochter des Reeders Zwerner, die am 17. April Geburtstag feierte.

1889: Die Spree-Havel-Dampf-Schifffahrts-Gesellschaft Stern in Berlin übernimmt den Dampfer.

1950: Übernahme durch die Ostberliner „Weiße Flotte“ und Umbenennung in „Seid bereit“, dem Gruß der Jungen Pioniere in der 1949 gegründeten DDR.

1969: Der Dampfer wird ausrangiert und rostet in Stralau vor sich hin. Der Unternehmer Peter Dentler aus Wusterhausen/Dosse  entdeckt das Wrack, lässt es über Land zur Kyritzer Seenplatte ziehen und erneuert es mühsam in Eigenregie.

1971: Umbenennung in „Seebär“ und fortan für Seerundfahrten genutzt.

1976: Der Westberliner Schiffshistoriker Kurt Groggert erkennt im „Seebär“ ohne Zweifel die alte „Hertha“.

2002: Peter Dentler und Hertha-Präsident Bernd Schiphorst nehmen Kontakt auf. Das Schiff erhält wieder seinen alten Namen „Hertha“. Verkaufsgespräche scheitern immer wieder.

2012: Die Prignitzer Leasing-Gesellschaft aus Putlitz kauft das Schiff und betreibt es weiter.

2016: Die Hertha-Präsidiumsmitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter erwerben die „Hertha“ mit dem Plan, das Schiff zurück nach Berlin zu bringen. Zum 125. Vereinsjubiläum im kommenden Juli soll es soweit sein.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25267762 ©2016

Ausgabe vom 13.12.2016

rbb Fernsehen berichtet über letzte Fahrt der Hertha

3. Advent – Sonntag, 11. Dezember 2016

Zur geladenen Abschiedsfahrt war das Medieninteresse wie im Vorfeld bereits angekündigt, sehr groß. Vertreter der Presse aus Berlin und der regionalen  schreibenden Zunft waren vor Ort, das letzte Mal Zeitzeuge zu sein, die MS Hertha auf dem Klempowsee zu erleben. Man darf gespannt sein, wie die Story, die Überführung des Schiffes in 2017 weitergehen wird.

Nachstehend ein Beitrag des rbb Fernsehen`s – ausgestrahlt am 11.12.2016 auf Brandenburg aktuell & Abendschau (19.30 Uhr) sowie rbb Aktuell (21.45 Uhr)

Hertha auf letzter Fahrt in Brandenburg

Im nächsten Jahr soll das 130 Jahre alte Ausflugsschiff „Hertha“ zurück zu seinen Fans nach Berlin. Davor dreht die alte Dame aber noch eine letzte Runde über einen Brandenburger See. Den Besitzer packt vor dem Abschied die Wehmut.

Von Jörn Pissowotzki

Radiomitschnitt

Thomas Flemming hat angesichts der letzten Fahrt der „Hertha“ gemischte Gefühle: „Ich habe sie immer als Schätzchen bezeichnet“, sagt er. 2012 hatte seine Prignitzer Leasing AG das Schiff übernommen. Hertha konnte für Touren gechartert werden, kostete aber über die Jahre auch viel Geld. Interessenten habe es immer wieder gegeben, erzählt Thomas Flemming. Von einigen wusste man aber, dass die „alte Dame“ den erneuten Besitzerwechsel nicht überlebt hätte.

Nun hat Hertha BSC selbst das Schiff gekauft, um das sich ein Gründungsmythos des Vereins rankt. Am Sonntag wird die Hertha letztmalig auf dem Klempowsee bei Kyritz unterwegs sein.

Die 1886 in Stettin als Dampfschiff vom Stapel gelaufene Hertha hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Sie befuhr zunächst Spree und Havel, wurde zu DDR-Zeiten zum Motorboot umgebaut und hieß zwischendurch „Seid bereit“ sowie „Seebär“. Seit 2002 ist sie wieder unter ihrem ursprünglichen Namen auf der Kyritzer Seenkette im Einsatz, sie liegt in Wusterhausen/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) vor Anker.

„Hertha“ soll nach Meinung des Noch-Besitzers Flemming auch in Zukunft auf dem Wasser bleiben, am liebsten unter der Flagge des Vereins, dem sie den Namen gab. „Wichtig ist, dass das Schiff als Symbol wieder sehr dicht am Fanlager ist.“

Kontakte zu Hertha hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. In diesem Jahr hat Thomas Flemming nun dem Verkauf an zwei Hertha-Präsidiumsmitglieder zugestimmt. Für einen Betrag, den er nicht nennen möchte. Es wird gemunkelt, dass dieser sechsstellig gewesen sei. Die Berliner wollen den Schiffskauf über eine Aktie finanzieren, Hertha-Anhänger können Anteile erwerben. „Ein wahrer Fan kauft natürlich die Schiffsaktie“, wirbt Thomas Flemming. Auch wenn der Gründungsmythos, Hertha sei auf diesem Schiff gegründet worden, nicht ganz stimmt.

Keine Gründung auf dem Wasser

Vielmehr wurde der Verein am 25. Juli 1892 „irgendwo in den Bezirken Wedding oder Prenzlauer Berg“ aus der Taufe gehoben, so steht es zumindest in den Hertha-Annalen.Gründungsmitglieder waren zwei 16 bis 17 Jahre alte Brüderpaare, Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz.

Laut den Annalen soll das Schiff aber dennoch eine wichtige Rolle bei der Vereinsgründung gespielt haben. Fritz Lindner soll nämlich kurz zuvor mit seinem Vater eine Dampferfahrt auf der Hertha unternommen haben – die wiederum nach der Tochter des Reeders benannt war. Lindner beschloss, den Namen für den Verein zu übernehmen – und das Blau des Schornsteins als Vereinsfarbe gleich mit.

Noch unklar, ob „Hertha“ renoviert werden kann

Nun kehrt die Hertha bald wieder zurück zur Hertha. Im späten Frühjahr soll sie nach Berlin kommen, auf dem Wasser und teils auf einem Tieflader auf der Straße. Was aus ihr wird, dazu gibt es aber noch Fragezeichen. Klar ist, dass es teuer wird, weil sie renoviert werden muss. Es müsse geprüft werden, so Flemming, ob es finanziell machbar sei, dass Schiff in einen Zustand zu versetzten, in dem es auch auf Bundeswasserstraßen fahren darf.

Denkbar ist also auch, dass die Hertha am Sonntag letztmalig befahren werden kann – und künftig dann als Museumsschiff einen anfassbaren Rückblick in die Gründungstage der alten Dame Hertha gibt.

Unsere Hertha ist restlos ausgebucht

Zu unserer letzten Fahrt mit dem Traditionsdampfer der „MS Hertha“ haben sich weit über 100 Interessierte, Freunde, Liebhaber, Fans… angesagt. Mit großer Freude haben wir eine Künstlerin aus Rostock gewinnen können, welche uns musikalisch während unser Fahrt begleiten wird.

mehr Informationen über Lydia Weblink

Das Medieninteresse war bereits im Vorfeld schon sehr groß. Ob in der Presse oder im Radio konnte man Beiträge verfolgen. Auch für den 11. Dezember haben sich Medienvertreter vom rbb Fernsehen, der Berliner Zeitung, dem Radio Sender Hertha-Echo, Märkische Allgemeine Zeitung … angekündigt und möchten über unser Ereignis berichten.

Unsere bestens bekannte Filmproduktionsgesellschaft univentus | film wird natürlich auch vor Ort sein und unsere erlebten Eindrücke auf bewegten Bildern festhalten.

Wetter: Wir hoffen, dass die Wettervorhersage die heutige Prognose auch so eintreten lässt. Erträgliche Temperaturen, kein Regen ….

Quelle: www.weather.com

Smutje Steffen hat seinen Glühwein bestens veredelt und wir freuen uns darauf, an Deck der „Alten Dame“ auf den 3. Advent anzustoßen.