Statement zur Fahrgastschifffahrt in Wusterhausen

Mit dem Verkauf der Hertha“ (Gründungsschiff des Fussballligisten Hertha BSC) bleiben für viele Sympathisanten des „Alten Dampfer`s“ nur die Erinnerungen vergangener Tage. Nun steht seit einigen Wochen die Frage im Raum, „wie geht es weiter mit der Fahrgastschifffahrt? Gibt es noch die Hoffnung wenigstens auf die „kleinere Schwester“ „Neptun“ ? Um der Neugierde auch gerecht zu werden, möchte ich aus unserer, meiner Sicht die Dinge erklären. Es wird bekanntlich oft sehr viel spekuliert und diskutiert und die Fakten werden von Emotionen überladen.

 

An Ideen mangelte es nie. Hier ein sogenanntes Rendering von Herrn C. Fulland www.zenvision.de                               Herzlichen Dank!

Kleiner Rückblick

Alles begann 2012 zunächst mit dem Erwerb der Fahrgastschiffe von der Firma Dentler in Wusterhausen. In der Funktion einer regionalen Leasinggesellschaft mit Sitz in Putlitz wurden die Schiffe gekauft, refinanziert und über ein Leasing / Mietmodell an den neuen Betreiber der Schifffahrt,  der FGS Fahrgastschifffahrt Wusterhausen GmbH übergeben. Zunächst stand lediglich der Erwerb der Neptun im Raum aber aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus, regte ich an, die Hertha mit zu erwerben. Es machte keinen Sinn, vielleicht später einen Mitstreiter der selben Sache, am Standort Wusterhausen/D. dulden zu müssen. Es war jedoch klar, dass das angestrebte Vorhaben des neuen Betreiber`s finanziell beide Schiffe hätten nie tragen können. Dafür waren dann in der Tat die Kaufpreise und alle weiteren finanziellen Aufwendungen zu hoch. Aus diesem Grund gab es bereits 2012 die ersten Gespräche mit Verantwortlichen des Fussballverein`s in Berlin. In den folgenden Jahren wurden weitere Gespräche mit Interessenten für die Hertha und Kaufwilligen geführt. Bereits 2012 hatte ich die Refinanzierung der „Alten Dame“ über eine Beteiligungsaktie angeregt. Ein Ergebnis blieb leider aus und darüber hinaus entwickelte sich die Fahrgastschifffahrt nicht zufriedenstellend. Es sind nun einmal sehr sehr alte Schiffe und diese verlangen nach einer besonderen Aufmerksamkeit und diese spiegelte sich in der Kasse wider.

Es kam wie es kommen musste.

Die FGS GmbH musste 2014 aufhören und wurde in 2016 liquidiert. Fortan versuchte ich mit der Gründung der Reederei 5Seen (Gewerbetrieb) wenigstens über eine Saison zu kommen und nach Möglichkeit eine Lösung für die Zukunft zu finden. Gegenüber meiner eigentlichen Tätigkeit als Vorstand der Prignitzer Leasing AG habe ich genug Verantwortung zu tragen und zuwenig Zeit für die Entwicklung einer Schifffahrtsgesellschaft. Mit der einst zur Verfügung gestellten Finanzierungsgrundlage war es leider nun nicht mehr allein getan. Auch in 2015 mit der Betreuung der Fahrgastschifffahrt über die Regio Infra GmbH & Co. KG mussten wir feststellen, dass es besser wäre, man lässt alles in der „alten Halle“  und spart am Ende richtig Geld. Früher war alles anders! Genau, neue Vorschriften und Richtlinien prasselten auf uns 2015 ein und erschwerten zusätzlich einen ordnungsgemäßen und vielleicht auch erträumten ruhigen Geschäftsverlauf. 2016 wollte ich es allerdings persönlich dann doch wissen. Funktioniert es oder bleibt es dann doch nur ein Wunsch, eine Saison mit einem ausgeglichenen Ergebnis zu erwirtschaften. Ja es ist möglich aber nur, wenn man eine Top Mannschaft hat. Und diese habe ich vorgefunden. Mit meinem Kapitän Johannes und seinem Matrosenanwärter Jens konnten wir nicht nur die Gäste mit der „Alten Dame“ in Sachen Technik überzeugen, nein wir hatten auch jede Menge Spass zusammen. Beflügelt, endlich eine perfekte Lösung für die „Hertha“ zu haben, konnten wir uns somit auch auf eine „Abschiedssaison“ vorbereiten. Leider ist jedoch der große Ansturm der Fan`s aus Berlin (Hertha BSC) ausgeblieben. Es waren in der Regel „Wiederholungstäter“, welche uns die Ehre gaben. Am Ende waren wir dann aber doch alle zufrieden und genossen unsere Abschiedsfahrt im Dezember 2016. Die „Hertha“ hatte uns nie in der laufenden Saison im Stich gelassen.

Dass die Enttäuschung beim Vorbesitzer, Herrn P. Dentler über den Verkauf der „Hertha“ anzumerken war, ging auch an meiner Person nicht unbemerkt vorüber. Die Erinnerungen an vergangene Zeiten lassen mitunter die Emotionen „hochkochen“. Und doch muss man die Situation nüchtern und realistisch analysieren. So wie es andere Betriebe in der Umgebung von Kyritz und Wusterhausen einst gab, sind doch auch hier die Türen geschlossen worden. Wenn am Ende die Rechnung nicht aufgeht, muss man handeln. Genau dieser Augenblick ist immer schwer für denjenigen, welcher sich vor den Karren spannen muss und Entscheidungen treffen soll.

Meine Entscheidung habe ich nun getroffen. Den Schiffsbetrieb mit der „Neptun“ werde ich einer neuen Mannschaft zur Verfügung stellen. Mein langjähriger Kapitän und Freund Johannes wird dabei eine führende Rolle übernehmen und sich weiter um die Geschicke und Entwicklungen am Standort Wusterhausen kümmern. Ich werde die „Neptun“ sehr gern zur Verfügung stellen und hoffen, dass die neue Mannschaft um unseren erfahrenen Kapitän es schafft, die Fahrtüchtigkeit rechtzeitig herzustellen. Nach einem zunächst beabsichtigten Rückkauf des Schiffes durch Herrn P. Dentler und seinem späteren „Zurückrudern“ wurde mir vielmehr und damit übertragbar, jegliche weitere Unterstützung für das Aufrechterhalten der Fahrgastschifffahrt zugesagt.

 

letzte Landrevision der Neptun 

Nun bleibt bei mir nur der sehnlichste Wunsch, dass uns Neptun wohl gesonnen ist, das Wetter dazu beiträgt, dass sich viele Gäste auf eine schöne Rundfahrt auf der Kyritzer Seenkette erfreuen werden, dass ein „Miteinander“ vor jeder „Fehde“ steht.

tf.

„Hertha“ droht der Untergang

Andreas Wendt

Wusterhausen (MOZ) Dunkle Wolken ziehen für das 1886 gebaute Fahrgastschiff „Hertha“ am Horizont auf. Dem historischen Passagierdampfer, der dem Berliner Fußballklub Hertha Namen und Vereinsfarben gab, droht der Verkauf. Der Bundesligist schließt einen Kauf nicht aus.

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Peter Dentler treffen die Hiobsbotschaften von der Fahrgastschifffahrt Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) wie ein Stich ins Herz. Die „Hertha“ steht vor dem Verkauf, dem Dampfer droht die Pleite, lauten die Schlagzeilen in den Medien. Mehr als ein halbes Jahrhundert war die „Hertha“ sein Kind. Der Unternehmer hat das Wrack in den 60er-Jahren aufgekauft und von Berlin nach Brandenburg geholt. „Dass es sich um den Gründungsdampfer von Hertha BSC handelt, haben wir erst Jahre später erfahren“, erzählt Dentler.

Seitdem tuckert die „Hertha“ beflaggt durch die Fahrgastschifffahrt Wusterhausen über die Kyritzer Seenplatte. Vor zwei Jahren trennte sich Dentler von seinem Baby und verkaufte den Dampfer und ein zweites Schiff an die Prignitzer Leasing AG. „Unter der Voraussetzung, dass beide weiter betrieben werden“, sagt der frühere Eigentümer. Doch Thomas Flemming, Geschäftsführer der Prignitzer Leasing AG, sieht schwere Zeiten auf die „Hertha“ zukommen. Zu wenig Touristen verirren sich nach seinen Angaben auf die beiden Schiffe. 3000 Passagiere im Jahr – die meisten davon gehen an Bord der moderneren „Neptun“. Die geschichtsbeladene „Hertha“ dagegen läuft vielleicht drei Mal aus, wie Steffen Hahlweg, Geschäftsführer der Fahrgastschifffahrt Wusterhausen, schätzt. Die bevorstehende Saison sei entscheidend für die „Hertha“.

Flemming wie auch Hahlweg wollen dem Dampfer die Treue halten, aber der Weg zu mehr Wirtschaftlichkeit des Oldtimers ist von Hindernissen gepflastert. An den sechs Stegen auf der Kyritzer Seenkette kann das alte Schiff nicht anlegen. Zum Passieren des idyllischen Waldkanals hat die „Hertha“ mit 1,40 Meter zu viel Tiefgang. „Der Kanal müsste ausgebaggert werden“, sagt Flemming, aber alle mit Kommunen entwickelten Konzepte seien versandet. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird es die letzte „Hertha“-Saison. „Wir prüfen, die Schiffe woanders fahren zu lassen, sie an eine andere Fahrgastschifffahrt zu übertragen oder sie zu verkaufen“, nennt Flemming die Alternativen. Der Fußballnarr will „das Schätzchen“ zwar gern behalten, nicht nur wegen der Historie, die sich um das Schiff rankt, sondern auch wegen seiner mit drei Decks einmaligen Bauart. „Aber wir brauchen die Hilfe der Kommunen, die wir bislang nicht bekommen haben“, sagt er.

Hilfe könnte aber aus der Hauptstadt kommen. Bernd Schiphorst, Aufsichtsratsvorsitzender von Hertha BSC, ist sich der Symbolik des Gründungsdampfers für seinen Klub bewusst. „Das ist ein Stück Vereinstradition“, betont er. In Berlin sei man am Schicksal des Schiffes interessiert, signalisiert er. Sollte das Schiff auf den Markt kommen, könne sich der Verein den Kauf durchaus vorstellen. Ein konkretes Verkaufsangebot an Ex-Eigner Peter Dentler gab es schon einmal – vor zwölf Jahren zum 110. Vereinsjubiläum von Hertha. „Uns war klar: Wenn wir das Schiff weggeben, muss ein anderes her“, erinnert sich Dentler – und lehnte ab. Zumindest kam er der Bitte nach, den Dampfer wieder unter seinem alten Namen „Hertha“ auslaufen zu lassen – der war mit dem Zweiten Weltkrieg abhanden gekommen. Von 1947 bis 1969 nannte sich das Passagierschiff in Anlehnung an die DDR-Pionierorganisation „Seid bereit“, 1971 verpasste Dentler dem Dampfer mit „Seebär“ wieder einen mehr maritimen Namen, bis er wieder zur „Hertha“ wurde.

Die Fußballfans der Hauptstadt erwecken nicht den Eindruck, als könnten sie ihre „Hertha“ retten, deren Name und einst blau-weißer Schornstein den Brüderpaaren Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz Inspiration für den 1892 gegründeten Verein waren. Für die Auslastung des Schiffes sorgte 2013 die Konkurrenz aus Köpenick mit einer spektakulären Aktion: Ende September kaperten 114 Union-Fans in zivil den Gründungsdampfer von Hertha BSC. „Die waren super drauf“, erinnert sich Steffen Hahlweg an die außergewöhnliche Fahrt. Die Hertha-Anhänger sind zurückhaltender. „Dabei könnte das Schiff ein Pilgerort sein“, gibt Eigentümer Flemming die Hoffnung nicht auf.

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