Die 124 Jahre lange Odyssee des Gründerschiffes Hertha

Berliner Legende

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Hertha holt Hertha nach Hause: Das Gründungsschiff ist 22m lang, 4,80m breit und bietet rund 140 Menschen Platz Foto: picture-alliance / ZB

Die beiden Präsidiums-Mitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter sorgen dafür, dass das Gründerschiff „Hertha“ nach über 100 Jahren endlich in Vereinsbesitz gelangt.

Es hat 124 Jahre gedauert bis das Gründerschiff „Hertha“, endlich nach Hause kommt und erstmals in Vereinsbesitz gelangt. Im Winter wird das Schiff aus Wusterhausen/Dosse (wo es noch jeden Sonnabend und Sonntag im Linienverkehr auf der Kyritzer Seenplatte fährt) nach Berlin transportiert.

Ob die „Hertha“ dann auch in Berlin zu Wasser gesetzt oder zur Fan-Kneipe oder zum Hertha-Museum umfunktioniert wird, ist noch offen. Hauptsache, das Schmückstück gehört nach einer gefühlten Ewigkeit endlich Hertha BSC.

wp_20160430_09_24_4jpg_1462286978-768x432Herthas Präsidiumsmitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter (r.) lieben nicht nur alte Autos sondern auch alte Schiffe (Foto: Privat)

★ 1892: Nach einer Dampferfahrt in Berlin auf der „Hertha“ mit blau-weißem Schornstein gründen die Brüder Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz am 25. Juli 1892 den Verein BFC Hertha 92. Der wird am 7. August 1923 nach einer Fusion mit dem Berliner Sport-Club zu Hertha BSC umbenannt.

★ 1947: Die „Weiße Flotte“ der DDR tauft das Schiff in „Seid bereit“ um, dem Kampfruf der Jungen Pioniere.

★ 1969 wurde das Schiff ausrangiert, sollte in Stralau in die Schrottpresse. Die Familie Dentler schnappte vorher zu, brachte es per Landtransport nach Wusterhausen/Dosse und taufte es „Seebär“.

★ Juli 2002: Zum 110. Geburtstag von Hertha BSC tauft die Familie Dentler das Schiff wieder zurück auf „Hertha“.

★ Mai 2012: Im Mai 2012 kaufen Thomas Flemming und Steffen Hahlweg das Schiff.

★ Mai 2016: Herthas Präsidiumsmitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter kaufen das Gründerschiff. Für Mitglieder soll es in Zukunft eine Volksaktie geben – genau 1892 Anteile stehen zum Verkauf. 1892 ist das Jahr, in dem alles begann …

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„Hertha“ droht der Untergang

Andreas Wendt

Wusterhausen (MOZ) Dunkle Wolken ziehen für das 1886 gebaute Fahrgastschiff „Hertha“ am Horizont auf. Dem historischen Passagierdampfer, der dem Berliner Fußballklub Hertha Namen und Vereinsfarben gab, droht der Verkauf. Der Bundesligist schließt einen Kauf nicht aus.

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Peter Dentler treffen die Hiobsbotschaften von der Fahrgastschifffahrt Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) wie ein Stich ins Herz. Die „Hertha“ steht vor dem Verkauf, dem Dampfer droht die Pleite, lauten die Schlagzeilen in den Medien. Mehr als ein halbes Jahrhundert war die „Hertha“ sein Kind. Der Unternehmer hat das Wrack in den 60er-Jahren aufgekauft und von Berlin nach Brandenburg geholt. „Dass es sich um den Gründungsdampfer von Hertha BSC handelt, haben wir erst Jahre später erfahren“, erzählt Dentler.

Seitdem tuckert die „Hertha“ beflaggt durch die Fahrgastschifffahrt Wusterhausen über die Kyritzer Seenplatte. Vor zwei Jahren trennte sich Dentler von seinem Baby und verkaufte den Dampfer und ein zweites Schiff an die Prignitzer Leasing AG. „Unter der Voraussetzung, dass beide weiter betrieben werden“, sagt der frühere Eigentümer. Doch Thomas Flemming, Geschäftsführer der Prignitzer Leasing AG, sieht schwere Zeiten auf die „Hertha“ zukommen. Zu wenig Touristen verirren sich nach seinen Angaben auf die beiden Schiffe. 3000 Passagiere im Jahr – die meisten davon gehen an Bord der moderneren „Neptun“. Die geschichtsbeladene „Hertha“ dagegen läuft vielleicht drei Mal aus, wie Steffen Hahlweg, Geschäftsführer der Fahrgastschifffahrt Wusterhausen, schätzt. Die bevorstehende Saison sei entscheidend für die „Hertha“.

Flemming wie auch Hahlweg wollen dem Dampfer die Treue halten, aber der Weg zu mehr Wirtschaftlichkeit des Oldtimers ist von Hindernissen gepflastert. An den sechs Stegen auf der Kyritzer Seenkette kann das alte Schiff nicht anlegen. Zum Passieren des idyllischen Waldkanals hat die „Hertha“ mit 1,40 Meter zu viel Tiefgang. „Der Kanal müsste ausgebaggert werden“, sagt Flemming, aber alle mit Kommunen entwickelten Konzepte seien versandet. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird es die letzte „Hertha“-Saison. „Wir prüfen, die Schiffe woanders fahren zu lassen, sie an eine andere Fahrgastschifffahrt zu übertragen oder sie zu verkaufen“, nennt Flemming die Alternativen. Der Fußballnarr will „das Schätzchen“ zwar gern behalten, nicht nur wegen der Historie, die sich um das Schiff rankt, sondern auch wegen seiner mit drei Decks einmaligen Bauart. „Aber wir brauchen die Hilfe der Kommunen, die wir bislang nicht bekommen haben“, sagt er.

Hilfe könnte aber aus der Hauptstadt kommen. Bernd Schiphorst, Aufsichtsratsvorsitzender von Hertha BSC, ist sich der Symbolik des Gründungsdampfers für seinen Klub bewusst. „Das ist ein Stück Vereinstradition“, betont er. In Berlin sei man am Schicksal des Schiffes interessiert, signalisiert er. Sollte das Schiff auf den Markt kommen, könne sich der Verein den Kauf durchaus vorstellen. Ein konkretes Verkaufsangebot an Ex-Eigner Peter Dentler gab es schon einmal – vor zwölf Jahren zum 110. Vereinsjubiläum von Hertha. „Uns war klar: Wenn wir das Schiff weggeben, muss ein anderes her“, erinnert sich Dentler – und lehnte ab. Zumindest kam er der Bitte nach, den Dampfer wieder unter seinem alten Namen „Hertha“ auslaufen zu lassen – der war mit dem Zweiten Weltkrieg abhanden gekommen. Von 1947 bis 1969 nannte sich das Passagierschiff in Anlehnung an die DDR-Pionierorganisation „Seid bereit“, 1971 verpasste Dentler dem Dampfer mit „Seebär“ wieder einen mehr maritimen Namen, bis er wieder zur „Hertha“ wurde.

Die Fußballfans der Hauptstadt erwecken nicht den Eindruck, als könnten sie ihre „Hertha“ retten, deren Name und einst blau-weißer Schornstein den Brüderpaaren Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz Inspiration für den 1892 gegründeten Verein waren. Für die Auslastung des Schiffes sorgte 2013 die Konkurrenz aus Köpenick mit einer spektakulären Aktion: Ende September kaperten 114 Union-Fans in zivil den Gründungsdampfer von Hertha BSC. „Die waren super drauf“, erinnert sich Steffen Hahlweg an die außergewöhnliche Fahrt. Die Hertha-Anhänger sind zurückhaltender. „Dabei könnte das Schiff ein Pilgerort sein“, gibt Eigentümer Flemming die Hoffnung nicht auf.

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Hertha schwimmt weiter

Das Gründungsschiff des Berliner Fußball-Clubs hat neue Eigentümer

Die alte Dame des Berliner Fußball-Clubs hat neue Eigentümer

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WUSTERHAUSEN – Die Tinte auf dem Vertrag, den Thomas Flemming zeigt, ist noch nicht ganz trocken. Aber er weist ihn – beziehungsweise seine Firma Prignitzer Leasing AG – ganz eindeutig als den neuen Besitzer der Hertha aus. Und damit des Schiffes, das dem Berliner Bundesligisten seinen Namen und seine Vereinsfarben gab und das heute in einem unspektakulären Bootsschuppen bei Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) sanft auf den Wellen des Klempower Untersees schaukelt.

Hertha BSC wollte das Schiff eigentlich selbst kaufen und anlässlich seines 120. Jahrestages als Museumsschiff vor dem Olympiastadion zur Kultstätte für seine Fußballfans umgestalten. Doch die Verhandlungen mit den alten Besitzern, Peter und Jens-Peter Dentler, scheiterten aus unbekannten Gründen. Gemunkelt wird, dass der knurrige Seebär Dentler aus der Prignitz, dessen Familie das Boot seit 43 Jahren über den Untersee schipperte, und die Fußball-Manager aus Berlin nicht die gleiche Sprache sprachen – zumal Hertha-Aufsichtsratschef Bernd Schip-horst medienwirksam verkündet hatte, dass Dentler ein „reizender alter Herr mit Euro-Zeichen in den Augen“ sei – und sein Schiff nur noch Schrott.

Dabei waren es eigentlich die Hertha-Leute selbst, die das Schiff unbedingt haben wollten: Schließlich fahren in Berlin gleich zwei Fahrgastschiffe umher, die für den Konkurrenten Union Werbung machen. Das Ausflugsschiff blieb mit seinen 24 Metern Länge zunächst gut vertäut im Bootshaus, auch als Dentler in Rente ging.

Stattdessen waren Verhandlungen mit Thomas Flemming aus Putlitz (Prignitz) erfolgreicher. Zudem: Steffen Hahlweg, naher Verwandter Flemmings, verkauft am Untersee Eis an Badegäste und suchte sowieso neue Herausforderungen. Dentler und die beiden Prignitzer waren sich schnell einig, der Verkaufspreis wird jedoch nicht genannt. Das Schiff gehört nun beiden je zur Hälfte. Ein zweites, die Neptun, kauften sie gleich mit. Die Kähne werden demnächst in einer Gesellschaft vereint, der Wusterhausener Fahrgastschifffahrt.

Kaum war in Hertha-Fan-Kreisen durchgesickert, dass verhandelt wird, flatterten bei Flemming die ersten Buchungsanfragen durchs Fax. Denn das Schiff hat für die Fans hohen Symbolwert.

Die Hertha-Gründer Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz hatten 1892 eine Rundfahrt mit dem Ausflugsdampfer unternommen, der damals noch auf der Havel fuhr. Als es um die Namensgebung für den Fußballverein ging, fiel Fritz Lindner die Fahrt wieder ein: Der Name Hertha wurde übernommen, und auch die Farben Blau und Weiß, in denen das Schiff lackiert war.

Blau und weiß ist die Hertha auch heute noch, auch wenn sich ansonsten seit dem Stapellauf im Jahr 1886 einiges verändert hat. Gebaut worden war sie als Dampfschiff mit zwei Propellern, heute tuckert das Schiff mit zwei Lkw-Dieselmotoren über den See, die beiden Getriebe stammen aus Restbeständen der Roten Armee.

Innen dagegen ist noch DDR-Nostalgie zu spüren, blaue Kunstledersitze verströmen immer noch den Geruch von Mitropa-Putzmitteln. Schließlich fuhr der Dampfer ab 1947 und bis 1964 unter dem zum Namen erhobenen Pioniergruß „Seid bereit!“, dann wurde er fünf Jahre trockengelegt. Als Familie Dentler das Schiff 1969 kaufte, wurde es zum „Seebär“, seit 2002 trägt die Hertha wieder ihren ersten Namen.

„Wir wollen hier viel machen“, sagt Thomas Flemming, dessen Kreativität in der Region bekannt ist. Und dessen Leasing-Firma vom Helikopter über Berliner Weihnachtsbeleuchtungen bis hin zur Milchkuh alles vermietet, was irgendwie beweglich ist, bevorzugt aber Eisenbahnen. Den alten DDR-Charme will man ein wenig bewahren, nur so, dass es fürs nostalgische Gemüt ausreichend ist. Ausflugsfahrten für Fans, Unternehmen oder Kindergruppen sind geplant; ein paar Bänke auf dem Oberdeck müssen weichen, damit eine Band spielen kann.

Auch einen echten Seebären haben die neuen Eigentümer schon angeheuert: Johannis Bär ist seit 20 Jahren in der Prignitz, sofern er nicht gerade Frachtschiffe über die Nord- oder die Ostsee steuert.

„Wir hoffen ja, dass wir mit Hertha irgendwie zu einer Art Interessengemeinschaft kommen“, sagt Flemming, „schon wegen der Fans.“ Und weil die Besitzer daran glauben, dass Hertha weiterschwimmt, verzichten sie auch auf eine erste Idee. Flemming: „Wir wollten ja die Kabinen im Unterdeck auf 1., 2. und 3. Liga taufen. Aber auf die dritte verzichten wir: Da kommt jetzt eine Bar rein.“

(Von Claudia Bihler)

24.Mai 2012